anicca – embracing change

Veränderung kann nur Sinn ergeben, wenn wir uns hineinstürzen, uns mit ihr bewegen und mittanzen!” (Alan W. Watts)

Am 29.11.2015 hatte ich die Gelegenheit, den Dokumentarfilm „anicca – embracing change“ von Claus Mikosch bei 3 schätze zu zeigen. Es war die Premiere für einen sehr persönlichen, ehrlichen und inspirierenden Dokumentarfilm über Veränderung. Der Film stellt die Frage, warum wir uns oft so schwer tun, Veränderungen in unserem Leben zu akzeptieren und liefert unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Veränderung, Wandel, Unbeständigkeit. Von unseren Möglichkeiten, als Einzelne etwas zum Wohle der Menschheit und unseres Planeten zu verändern, bis zur Konsequenz der Dekonstruktion des „ICH“. Bestseller Autor Claus Mikosch war zu diesem Termin vor Ort und im Anschluss an den Film bestand die Möglichkeit sich auszutauschen und Fragen zu stellen. Zwischendurch war außerdem Zeit für ein kurzes Interview…

Claus-Mikosch-Anicca-Shirt3 schätze: Lieber Claus, für Deinen neuen Dokumentarfilm „anicca – embracing change„, bist Du in vier verschiedene Länder gereist und hast acht sehr verschiedene Menschen getroffen und mit ihnen gesprochen. Sie alle hatten sicher ganz  unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Veränderung. Wie hast Du die Menschen ausgewählt und was hat Dich in den Gesprächen am meisten beindruckt?

Claus Mikosch: Lieber Patrick, erst einmal danke für die Chance, hier etwas mehr von dem Film erzählen zu können. Die acht Protagonisten kommen in der Tat aus sehr verschiedenen Lebensecken: eine Mutter, ein Rapper, ein Schullehrer, ein Trauerredner, eine Yogalehrerin, ein Clown, ein Ex-Banker und jetziger Segler, und ein Buddhist. Jeder einzelne trägt eine spezielle Sicht auf das Thema Veränderung bei – beim Auswählen der Leute war das genau meine Absicht, also dass ich ein breites Spektrum an Sichtweisen in dem Film präsentieren kann. Einige der Leute kannte ich schon vorher, andere sind mir empfohlen worden. Ich hätte noch viele andere mit rein nehmen können, da letzten Endes jeder etwas zum Thema Veränderung zu sagen hat. Aber irgendwann musste ich dann sagen, ‚okay, das reicht‘, ansonsten wäre anicca ein 3-stündiger Film geworden, was für alle etwas anstrengend gewesen wäre…

Cast-alle-aniccaWas hat mich bei den Gesprächen am meisten beeindruckt? Die Offenheit, mit der alle gesprochen haben. Es waren sehr persönliche Gespräche – keine große Filmcrew, sondern einfach eine Kamera und zwei Menschen, die sich über Veränderung unterhalten. Folglich war es keine typische Interviewsituation, was sicherlich auch bei der Offenheit geholfen hat.

3 schätze: Mit dem Filmtitel greifst Du eines der Drei Dharma Siegel (Anatta, Anicca und Dukkha bzw. Nirvana) auf, welche im Buddhismus auch als Daseinsmerkmale bezeichnet werden. Als Buchautor hast Du u.a. Bücher wie „Der kleine Buddha“ und „Der kleine Buddha und die Sache mit der Liebe“ veröffentlicht. Bezeichnest Du Dich selbst als Buddhisten?

Claus Mikosch: Da muss ich Schmunzeln… Klar, die Frage ist naheliegend. Als Buddhist würde ich mich aber nicht bezeichnen. Der Buchtitel „Der kleine Buddha“ ist entstanden, weil ich damals mit meiner Tochter oft eine nahegelegene Stupa besucht habe (wegen der guten Aussicht – die Stupa steht auf einem Hügel in Südspanien, mit Blick aufs Meer und Afrika) und aufgrund ihrer neugierigen Fragen wollte ich ein Kinderbuch über den Buddha
schreiben. Letzten Endes ist dann aber etwas anderes draus geworden.

Mit dem Begriff „anicca“ bin ich das erste Mal bei einem Vipassana Kurs in Kontakt gekommen. Mich hat bei dem Wort von Anfang an die Kombination aus Einfachheit und tiefgehender Philosophie fasziniert. Und in meinem eigenen Leben hat mir anicca, also das Gesetz der Vergänglichkeit, ebenfalls sehr geholfen. Als ich dann mit dem Film über Veränderung begonnen habe, stand der Titel recht schnell fest.

Ich meditiere (eine komische Mischung aus Zazen und Vipassana…), lese gelegentlich buddhistische Literatur und höre mir Vorträge von buddhistischen Lehrern an. Das meiste, was der Buddhismus sagt, macht für mich unheimlich viel Sinn. Bin ich deshalb ein Buddhist? Nein. Ich bin einfach Claus.

Anicca - Film-Cover3 schätze: Du hast im Januar 2015 mit der Arbeit an Deinem Projekt begonnen und den Film letztlich mit Hilfe einer Crowd Funding Kampagne realisiert. Wie war die Resonanz auf Dein Projekt? Erzähl uns doch bitte ein wenig zur Entstehungsgeschichte des Films?

Claus Mikosch: Die Crowdfunding Kampagne war eine großartige Erfahrung. Sehr viel Arbeit und nicht immer einfach, aber es hat viel Spaß gemacht und das Ziel wurde weit übertroffen. Die Resonanz war gut, was vielleicht einfach damit zusammenhängt, dass das Thema für jeden Menschen relevant ist. Es gibt niemanden, bei dem sich nichts im Leben ändert.

Angefangen hat alles, als ich mir vor gut einem Jahr immer wieder dieselbe Frage gestellt habe: „Wenn ich doch weiß, dass das T-shirt, das ich gerade kaufen will, von völlig unterbezahlten Menschen gemacht wurde, die teilweise unter katastrophalen Bedingungen arbeiten, warum kaufe ich dieses T-shirt dann trotzdem?“ Mein erster Gedanke war, ein Buch zu schreiben, was ich normalerweise in so einer Situation machen würde. Dann habe ich jedoch einen Moment innegehalten und gesagt, ‚eigentlich könnte ich auch einen Dokumentarfilm über das Thema machen‘. Ich bin Schriftsteller, habe lange als Fotograf gearbeitet und Musik hat immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt – schon lange habe ich neugierig auf das Medium Film geschielt und mich gefragt, wie es wohl sein würde, wenn ich Sprache, Bilder und Musik verbinden könnte. Da ich etwas Geld hatte und für 2015 noch keine Pläne hatte, schien der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein. Alles andere hat sich dann recht natürlich entwickelt.

3 schätze: Als ich einen der Trailer zum Film, mit Zeitrafferaufnahmen aus Potsdam und Berlin gesehen habe, wurde mir nochmal sehr bewußt, wie alles im Fluss und in Veränderung ist. Ich fand dies sehr beeindruckend, wie man den Zugang dazu erleichtern kann, in dem man einfach das gewohnte Tempo des Lebens ändert. Irgendwie erscheint alles dann teilweise sehr abstrakt.

Claus Mikosch: Ja, die Tempoänderung hilft auf jeden Fall, weil man plötzlich etwas ungewohntes sieht und diesem mehr Aufmerksamkeit schenkt. Dabei ist es glaube ich egal, ob man das Tempo beschleunigt oder verlangsamt. Wenn man ein Foto, bei dem es anscheinend kein Tempo gibt, im Zeitraffer betrachten würden, dann würde man selbst dort sehen, dass sich alles ständig ändert und nichts bleibt, wie es ist.

3 schätze: Bisher wird „anicca – embracing change“ als Streaming im Internet oder per USB-Stick zu sehen sein. Das Thema Veränderung/Vergänglichkeit scheint mir auch für ein größeres Publikum im Kino tauglich zu sein. Planst Du noch eine Kinofassung?

Claus Mikosch: Ganz ehrlich: bisher hatte ich keine Zeit, mir darüber viele Gedanken zu machen. Bei dem Film war ich Kameramann, Soundtechniker, Fragensteller, Cutter, Produktionsleiter, etc., und meinen Tee habe ich mir auch selbst gemacht. Irgendwann musste dann mal gut sein… Natürlich wäre es schön, den Film eines Tages im Kino zu sehen, und ich denke schon, dass ich ihn an einige Filmfestivals schicken werde. Aber jetzt freue ich mich erst einmal, dass anicca draußen ist. Genau wie alles andere verändert sich auch die Art und Weise, wie wir Filme gucken, und da ist das Internet eine sehr attraktive, relativ neue Option für Filmemacher. Den Rest sehen wir dann.

3 schätze: Dein neustes Buch „Charlie und der Traum von Freiheit“ erzählt von einem Vogel- und einem Menschenpaar und ihrer Suche nach Freiheit, den Chancen und den Risiken und dem Glück, vom Leben getragen zu sein. Auch hier geht es um den Mut loszulassen und sich der Veränderung anzuvertrauen.

Claus Mikosch: Ja, das Thema scheint mir hinterherzulaufen… In dem Buch steht am Anfang ein Zitat von Thukydides, „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit; das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“ Ich finde, da ist sehr viel Wahres dran. Ohne Freiheit gibt es kein wirkliches Glück, und Freiheit kannst du nur erfahren, wenn du bereit bist, die Leinen loszumachen und dem Unbekannten entgegen zu segeln. Dafür braucht es manchmal verdammt viel Mut. Wo nehmen wir ihn her, wenn er nicht da ist, der Mut? Darum geht es sowohl bei „Charlie und der Traum von Freiheit“ als auch bei „anicca – embracing change„. Ist einfach ein spannendes Thema, und hey, wahrscheinlich bin ich auch noch auf der Suche nach Wegen, selbst mutiger zu sein.

»Was auch immer dem Entstehen unterworfen ist, ist dem Vergehen unterworfen« (Buddha)

3 schätze: Vielen Dank für dieses Interview…

Weitere Infos / Kontakt: www.aniccathefilm.com

Anicca - logo

2 Gedanken zu „anicca – embracing change

  1. Ein wirklich faszinierendes Thema. Das Interview macht sehr neugierig, das Konzept des Films und die Auswahl der Interviewpartner sprechen für sich. Ich find’s toll, dass es Menschen gibt, die so viel Liebe und Energie in so ein Projekt stecken.

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