Kurz-Interview: Susanne Hiepel vom Studio 52 im Gespräch mit Patrick Damschen

Bereits 2006 gründete Susanne Hiepel das Studio 52 in der Bonner Südstadt. Drei Jahre später kam dann das Yoga Loft hinzu und Anfang 2010 ist dann Brigitte Mailänder mit eingestiegen. Nach fast 10 Jahren ist das Studio 52, mit 2 Standorten, eines der bekanntesten Bonner Yoga-Studios. Zeit für ein Interview…

3 schätze: Liebe Susanne, ich freue mich über die Gelegenheit, ein Interview mit Dir zu führen. Erzähl uns doch bitte zu Anfang einmal kurz etwas von Dir, wie bist Du z.B. zum Yoga gekommen und wie war Deine Entwicklung hin zur Eröffnung des Studio 52 im Jahr 2006?

Susanne Hiepel: Lieber Patrick, vielen Dank für diese schöne Gelegenheit. Tja, meine Entwicklung hin zur Eröffnung des Studio 52 hat, würde ich sagen, auf verschiedenen Ebenen stattgefunden.

Von Hause aus bin ich ja Diplom Heilpädagogin und beschäftige mich daher schon sehr  lange mit essentiellen Fragen zur gesunden und glücklichen Lebensführung, Fragen zu Konfliktbewältigung und friedvollem Umgang mit sich selbst und anderen, Fragen zur eigenen „Aufgabe“ in dieser Welt etc. Ich habe lange Zeit mit behinderten Menschen gearbeitet und war in diesem Job immer bemüht, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Manchmal denke ich: so viel anders ist das, was jetzt tue, gar nicht.Suse Meer
Denn Yoga zu unterrichten bedeutet für mich eben AUCH, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und ich glaube auch, dass ich damit der Beantwortung der Frage nach meinem Dharma ein Stück näher kommen kann – wenn man das je wirklich kann 😉

Neben meiner Arbeit mit Behinderten habe ich immer einen Ausgleich gesucht und schon während meines Studiums verschiedene Übungsleiter-Lizenzen erworben, um dann als Gymnastik-Lehrerin im Verein und beim DRK und an der VHS etc. unterrichten zu können. Irgendwann habe ich dort dann auch einen Kurs mit dem Titel „Body & Mind“ entwickelt, weil mir Kräftigen und Schwitzen – und sei es auf gesundheitsförderliche Weise – zu „flach“ wurde und ich gerne Geist und Seele und Atem mit in die Stunden einbeziehen wollte.

Darüber hinaus war ich auf der Suche. Vielleicht nach Ruhe, nach Gelassenheit, nach Sinnhaftigkeit, nach dem Sagen umwobenen „Inneren Frieden“, nach mir, vielleicht nach einem Weg, zufrieden mit mir und anderen durch’s Leben zu gehen, und dabei am besten auch noch andere „mitzunehmen“.

sitzecke abendIch hatte Yoga – als Asana-Praxis – während meines Studiums und auch später schon mehrfach ausprobiert, war aber zu dem Zeitpunkt glaube ich einfach noch nicht wirklich „reif“ dafür und habe auch nicht die Lehrerin oder den Lehrer gefunden, der mich für diesen Weg hätte begeistern können. Bis ich in Sri Lanka über mehrere Wochen sehr sehr intensiv eingestiegen bin in die tägliche Praxis mit einer Lehrerin, die zu mit „gepasst“ hat und zu dieser Zeit ist der berühmte Funke entflammt. Auch wenn sich das irgendwie pathetisch anhört fühlt es sich total stimmig an: ich habe über die Asana-Praxis ein Gefühl kennengelernt, das ich vorher nicht kannte, eine Seite an mir entdeckt, von der ich nichts wusste, Türen öffnen können, die mir vorher verschlossen waren und habe mich auf einer tiefen Ebene so wohl und zuhause in mir gefühlt wie selten zuvor in meinem Leben. Und mit diesem Erleben ging ziemlich zeitgleich der Gedanke einher: das möchte ich weitergeben, andere Menschen mitnehmen, das können bestimmt auch andere gut „gebrauchen“ 😉

In meinen Gymnastik-Kursen habe ich von da an mehr und mehr Asanas und andere Techniken aus dem Yoga eingebaut und hatte das Gefühl dass „meine Leute“ da geradezu drauf gewartet hatten.

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Nach meiner Yogalehrer-Ausbildung in Indien hat sich irgendwie alles gefügt und so leicht angefühlt: durch Zufall ist die Wohnung unter meiner Wohnung frei geworden. Zu diesem Zeitpunkt streckte ich gerade meine Fühler aus nach Räumlichkeiten zum unterrichten.

An einem sehr bewegten Wochenende im Sommer 2006 habe ich dann beschlossen, das Erdgeschoss zu mieten, um dort selbst nebenberuflich Yoga zu unterrichten und anderen, ganzheitlich orientierten Menschen, ebenfalls einen Raum zu geben für ihre Angebote. Von Anfang an wünschte ich mir, dass dieser Raum multiprofessionell genutzt würde, in einem guten Geist belebt wird auch von anderen. Und genau so ist es tatsächlich auch gekommen und dafür bin ich nach wie vor sehr dankbar.

erker studio abendDamit war das Studio 52 in der Lennéstrasse 52 in Bonn geboren. Ich habe dann zunächst weiter Teilzeit in meinem eigentlich Beruf gearbeitet und nebenberuflich Yoga unterrichtet, aber sehr bald gespürt, dass mein Herz an meiner neu gegründeten Schule hängt und mein ganzes „Herzblut“ in den Unterricht und die Organisation der Kurse floss und konnte meinem Beruf nicht mehr richtig gerecht werden. So habe ich im Sommer 2007 gekündigt und seitdem alle Energien ins Studio fließen lassen.

Als ich 2009 schwanger wurde habe ich sehr schnell erkannt, dass ich mir in der Organisation und Verwaltung der mittlerweile gewachsenen Schule Hilfe organisieren sollte und so sind Brigitte Mailänder und ich zusammen gekommen und sind es noch heute. Brigitte war ursprünglich Teilnehmerin in einem meiner Kurse und wir hatten irgendwie den gewissen „Draht“ und ich wusste, dass sie sich schon seit 20 Jahren sehr intensiv mit Yoga und Meditation beschäftigt hatte und so habe ich sie einfach angesprochen. Kurz vor der Geburt meiner Tochter ereignete sich dann wieder ein folgenschwerer „Zufall“  – ich glaube ja eigentlich NICHT an Zufälle 😉 – nämlich bin ich über Umwege auf die Räume im Annagraben (BN) aufmerksam geworden. Eigentlich stand zu diesem Zeitpunkt eine Vergrößerung überhaupt nicht an (ich war hochschwanger!!), aber das heutige Loft hat mich beim ersten Besuch überzeugt: dies ist ein wunderbarer Ort für Yoga!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Rückblick finde ich das manchmal ganz schön verrückt, immerhin stand noch eine andere, viel wesentlichere Veränderung in meinem Leben an. Vielleicht war ich auch ein bisschen naiv, in jedem Falle voller Optimismus und Tatendrang und in einem guten Glauben, dass alles gut werden wird. Brigitte, mit der ich ja zu dieser Zeit schon 1/2 Jahr zusammen gearbeitet hatte, hat sich ebenfalls sofort in diese Räume im Annagraben verliebt und konnte sich vorstellen, „mitzumachen“. So haben wir uns zusammengetan und leiten seitdem das Studio 52 gemeinsam – mit 2 Schulen unter dem Studio 52 – Dach.

Suse und Brigitte

Eine sehr bewegte Zeit, alles in allem, wenn ich das alles nochmal Revue passieren lasse…. und ein großes Glück, hoffentlich nicht nur für uns, die diesen Ort geschaffen haben, sondern auch für viele viele andere, die ihn aufsuchen…

3 schätze: Gibt es so etwas wie Eure eigene Philosophie?

Susanne Hiepel: Als ich das Studio 52 gegründet habe, hatte ich oft den Eindruck, dass die verschiedenen Yoga-Schulen und Traditionen teilweise recht dogmatisch waren und sich jeweils anderen Schulen und Traditionen gegenüber ziemlich abgegrenzt haben. Da ich jegliche Art von Dogmatismus wirklich GAR nicht mag wollte ich von Anfang an eine „Offene“ Yoga-Schule in’s Leben bringen, also einen Ort, an dem es gerne verschiedene Stile und Traditionen geben darf. Yoga hat ja eigentlich wirklich nichts mit Trennung zu tun… jedenfalls war ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen ausserdem der Meinung, dass jeder Schüler die Möglichkeit haben sollte, den Yoga-Stil und den Yoga-Lehrer zu finden, der zu ihm/ihr passt.

Möglicherweise kannst Du mitbewegung-licht Ashtanga Yoga gar nichts anfangen, fühlst Dich aber im Kundalini-Yoga zuhause, die eine Lehrerin spricht Dich nicht an, während die andere Dein Herz berührt usw… Daher: warum nicht viele Stile und viele Lehrer unter unserem Dach? Der wunderbare Satz von Tiziano Terzani ist auch in dieser Hinsicht so wahr:

Ein Schritt in die richtige Richtung und alles Übrige ergibt sich von selbst„.

Wenn Du die Möglichkeit hast, die ein oder andere Richtung erstmal ein Stück zu gehen und auszuprobieren, wie sich das anfühlt, wirst Du wahrscheinlich an genau diesen Punkt kommen, zu spüren, was für Dich stimmig ist (was für einen anderen Schüler überhaupt nicht stimmig sein muss).

3 schätze: Mittlerweile habt Ihr ja einen wirklich grossen Pool an Yoga-Lehrer/innen im Studio 52 vereint. Mir fällt auf, dass auf Eurer Webseite fast ausschließlich Frauen Im Team aufgelistet sind. Ist das eine bewußte Entscheidung? Gibt es zu wenige qualifizierte Yoga-Lehrer?

Susanne Hiepel: Nein, das ist tatsächlich keine bewußte Entscheidung, im Gegenteil. Wir hatten zwischendurch immer wieder mal Yoga-Lehrer im Team, die aber aus diesen oder jenen Gründen wieder gegangen sind. Und echt: jedesmal, wenn wir einen qualifizierten Yoga-Lehrer gewonnen hatten waren wir ganz happy: yeah, endlich (wieder) ein Mann im Team! ;-).

yoga-loft-bannerOb es „zu wenig“ qualifizierte Yoga-Lehrer gibt kann ich nicht sagen. Aber so wie IN den Kursen sieht es wahrscheinlich auch in den Yoga-Lehrer-Ausbildungen aus: die Männer sind leider immer noch in der absoluten Minderheit, was mich ehrlich immer wieder wundert, denn Yoga hat sooooo viel zu bieten…. warum Frauen ganz offenbar empfänglicher dafür sind, das zu erkennen, als Männer ist mir nach wie vor ein Rätsel. Also: wenn Du das liest und Yoga-Lehrer bist und gerne bei uns unterrichten möchtest: bitte melden!!! 😉

3 schätze: Wie sucht Ihr die Leute aus und welche Yoga-Stile deckt Ihr damit ab?

Susanne Hiepel: Bei uns findest Du klassische Hatha-Yoga-Kurse ebenso wie Ashtanga Yoga, Vinyasa Yoga, Yin-Yoga und Hormon-Yoga. Als einzige Schule in Bonn haben wir seit geraumer Zeit auch Anusara Yoga im Programm, was mir besonders am Herzen liegt. Ausserdem mehrmals die Woche Schwangeren-Yoga und Rückbildungs-Yoga (Mama-Yoga und Baby-Yoga genannt), Kinder-Yoga und Yoga Sanft und Still. Yoga Sanft und Still, Yin-Yoga sowie Einzelunterrichte sind vor allem Brigitte´s Schwerpunkte. Sie beschäftigt sich ja seit jeher mit Techniken aus der Meditation und Achtsamkeitspraxis und es ist wunderbar, dass sie in diesen Kursen ihre Erfahrung und ihr Einfühlungsvermögen und ihre sehr achtsame Art zu unterrichten „ausleben“ kann ;-). Außerdem finden regelmäßig Workshops statt, in denen Du als Schüler noch tiefer in die Praxis eintauchen kannst und offene Meditations-Abende…

yoga-im-studioLehrer, die auf freiberuflicher Basis bei uns unterrichten möchten, kommen immer erstmal zu einem persönlichen Kennenlernen vorbei. Manchmal spürt man direkt, ob man zusammen „passt“ oder nicht. Wenn wir dann beidseitig das Gefühl haben, dass es passen könnte laden wir die Lehrerin zu einer Art „Lehrprobe“ ein, in der sie exemplarisch zeigen kann, was ihren persönlichen Stil und auch ihre Qualifikation ausmacht. Wir haben, glaube ich, einen ziemlich hohen Standard, weil wir so viele so tolle und wirklich gut ausgebildete Lehrer im Team haben… der Anspruch ist auch durch mein eigenes Praktizieren und Lehren des genaue Alignements von  Anusara Yoga schon sehr gestiegen… Wir stellen schon relativ hohe Erwartungen an neue Lehrer. Wobei natürlich die Ausbildung eine Rolle spielt, die sie gemacht haben, vor allem aber ist es uns wirklich ein Anliegen, dass jeder Lehrer seinen eigenen, persönlichen Stil hat und bei uns entfalten darf, immer auf der Basis natürlich, dass der Unterricht sinnhaft ist.

3 schätze: Welchen Yoga-Stil unterrichtest Du selbst?

Susanne Hiepel: Ursprünglich komme ich aus dem traditionellen Hatha Yoga nach Swami Sivananda. Aber davon habe ich mich mittlerweile sehr weit entfernt. Ich habe im Winter 2013/2014 meine Anusara-Yogalehrer-Ausbildung abgeschlossen und unterrichte seitdem überwiegend diesen anatomisch sehr genauen und sehr Herz betonten und tantrisch geprägten Stil, der mich vom ersten Augenblick an sowohl auf der körperlichen, als auch auf der mentalen und emotionalen Ebene total überzeugt hat. Ich fühle mich in dieser Praxis zuhause und irgendwie „angekommen“ und zugleich ist da noch so viel zu entdecken und zu lernen … das ist sehr inspirierend!! 😉

yogaloft

3 schätze: Welcher Lehrer hat Dich am meisten geprägt?

Susanne Hiepel: Mein Anusara-Yogalehrer, Jayendra Hanley, dessen ruhige, präzise, sanftmütige und meditative Lehre mich immer wieder beglückt. Ausserdem meine „permanente“ Lehrerin Nicole Konrad vom Open Lotus Studio in Köln, zu der ich regelmäßig in den Unterricht gehe und die – genau wie ich – „Anusara inspired“ ist, diesen Weg aber schon eine Weile länger beschreitet…

3 schätze: Wenn man sich Eure Kurspläne und die Webseite anschaut, bietet sich einem eine reiche Palette an Yoga-Kursen sowie Workshops und anderweitigen Angeboten. Neben Meditation finden ja u.a. regelmäßig freitags 14-tägig die Tanz Orange Abende, d.h. 5 Rhythmen mit Julia und Soulwave mit Heike und Rafael statt, zu denen ich persönlich immer wieder gerne gehe 🙂

Susanne Hiepel: Ja und ausserdem noch ganz viele andere tolle Sachen: Contact Improvisation und Contact Jam, Gong-Seminare, LISHI (eine traditionelle chinesische Bewegungskunst), NIA (Neuromuskuläre Integrative Aktion oder auch: getanzte Lebensfreude), Afro-Dance, und natürlich nicht zu vergessen: unsere Anusara-Yoga-Immersion mit Jayendra Hanley, die zum Herbst 2015 in die 2.Runde geht. Wer tief in die Anusara-Philosophie und Praxis eintauchen möchte ist hier genau richtig. Wer eine Anusara-Yoga-Lehrer-Ausbildung machen möchte, für den ist dies der 1.Schritt. Wir planen für Frühjahr 2016 ein Anusara Yoga Teacher Training.

Studio52-Sommerfest3 schätze: Ab Oktober wird es im Studio 52 außerdem das Angebot von Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) – „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ Kursen geben. Kannst Du zu diesem Angebot auch noch etwas erzählen?

Susanne Hiepel: Ja, Brigitte Mailänder wird im Winter ihre MBSR-Ausbildung beenden und ich finde es ganz toll, dass sie dann unser Programm mit Achtsamkeitstraining bereichern wird! Die positive Wirksamkeit von MBSR von Jon Kabat-Zinn ist seit Jahren wissenschaftlich anerkannt und kann helfen, den Herausforderungen des Lebens auf achtsame Weise zu begegnen. Jon Kabat-Zinn ist „von Hause aus“ Arzt und Mikrobiologe und hat im MBSR die Methoden von Meditation mit Erkenntnissen aus Medizin, Psychologie und Stressforschung verknüpft und daraus ein Programm entwickelt. Mich berühren seine Artikel, Bücher und Vorträge immer wieder sehr und ich binde Ideen aus der Achtsamkeitspraxis immer wieder auch in meinen Yoga-Unterricht ein.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA3 schätze: Seit vielen Jahren bietest Du auch immer wieder Yoga-Reisen nach Andalusien an? Das diesjährige Yoga-Seminar an der Costa de la Luz findet in der Woche vom 14.11. – 21.11.2015 statt. Anmeldeschluss ist der 31.07.2015. Sind denn derzeit noch Plätze frei?

Susanne Hiepel: Ja, es sind noch Plätze frei und ich freue mich natürlich über Anfragen 😉
Für nächstes Jahr plane ich eine Yoga-Reise nach Portugal, wahrscheinlich im Mai und wahrscheinlich zusammen mit einer Kollegin…

3 schätze: Was bedeutet Yoga für Dich (in einem Wort)?

Susanne Hiepel: Heilung

3 schätze: Danke für das Interview…

Susanne Hiepel: Vielen Dank, lieber Patrick!

Das Studio 52 findet Ihr in zwei Bonner Stadtteilen:

STUDIO in der Südstadt
Lennéstrasse 52
53113 Bonn

LOFT in der Altstadt
Annagraben 49
53111 Bonn

Weitere Infos unter: www.studio-52.de

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